Journalistischer Lesegenuss statt Paywallfrust

von Christian Ziron — Gepostet in Digitalität am 9. Mai 2014

Ähnlich dem Wandel, den die Musikbranche vom Konzept „Album“ als Gesamtpaket, hin zur Möglichkeit einzelne Songs zur individuellen Playlist zu kompilieren vollzogen hat, versuchen Verlage und  Redaktionen den veränderten Lese- und Aufmerksamkeitsgewohnheiten des Internetzeitalters Rechnung zu tragen. Konzepte für die Vergütung journalistischer Inhalte im Netz gibt es etliche, warum also braucht es eine weitere Anlaufstelle um Paid Content im Pressebereich salonfähig zu machen?

Auf der einen Seite halten das Registrierungsprozedere der „harten Bezahlschranken“ – Paywalls genannt –  und der Metered Models bei der eine festgelegte Anzahl von Beiträgen pro Monat frei zur Verfügung stehen potentielle LeserInnen davon ab für journalistische Inhalte zu zahlen, zum anderen sind die Transaktionskosten bei den etablierten Online Bezahlsystemen für den Micropaymentbereich unökonomisch, da zwischen 60 und 70% der beauftragten Summe als Gebühr an den jeweiligen Dienstleister entfallen. Von einer 50 Cent Bezahlung via Paypal bleiben 36 Cent beim Dienstleister und lediglich 14 Cent gehen an den Empfänger der Zahlung bzw. Spende.

Der Dienst Flattr hat bereits seine Version zur Vergütung von Inhalten im Web etabliert, um die immer wieder angeprangerte „Umsonstmentalität“ der Internetgemeinde und den darüber herrschenden Unmut der Urheber zu harmonisieren. Bei Flattr laden registrierte Nutzer Ihre virtuelle Geldbörse mit einem frei wählbaren Betrag auf und können über den auf teilnehmenden Webseiten eingebetteten flattr-Button spendenbasiert Beiträge wie etwa Texte, Fotos, Podcasts und Filme nach eigenem Ermessen honorieren.

Brick in the paywall

Statt flattrn lieber später mit LATERPAY zahlen

Einen anderen Pfad schlägt der Dienst LATERPAY ein.  „Kaufen Sie ein Glas Milch, nicht eine ganze Kuh“ und das mit nur zwei Klicks, so das Credo des Mitte März an den Start gegangenen Dienstes. Die Vorstellung: Inhalte egal welcher Art werden vom Anbieter mit einem festen Preis versehen – 20 Cent für einen Artikel, 50Cent für eine Fotostrecke, 80 Cent für einen Podcast etc. – Nutzer können die Inhalte sofort abrufen, Registrierung und Bezahlung werden erstmalig nach erreichen von 5€ notwendig. Für die Registrierung sind eine gültige Emailadresse und ein selbst festzulegendes Passwort notwendig, zur Bezahlung wählen die Nutzer das Verfahren Ihres Vertrauens aus (Bankeinzug, Kreditkarte, Paypal usw.), auch hierbei ist man mit kaum mehr als zwei Klicks fertig. Eine detaillierte, websiteübergreifende Rechnung liefert ähnlich wie der Einzelverbindungsnachweis im Mobilfunkbereich eine Übersicht der getätigten Einkäufe. Händler und Urheber von Beiträgen profitieren von niedrigen Transaktionskosten. Durch variable Gebühren die immer nur auf die Gesamtrechnung erhoben werden sollen bis zu 90% der umgesetzten Summe beim Händler bzw. Urheber landen. Win-Win für alle Beteiligten. Neben journalistischen Inhalten sollen auch In-App-Käufe, etwa für Zusätze in Spielen, von diesem Modell profitieren.

Zur Demonstration wurde das Browserspiel „Browserquest“ mit dem LATERPAY Button versehen und im Blog des Journalisten Richard Gutjahr G! blog kann der Dienst in seiner ganzen Einfachheit getestet werden. In meinem Test verlief die Nutzung so einfach wie von den Machern versprochen. Nach betätigen des LATERPAY Buttons in Browserquest gab ich meine Emailadresse ein und legte mein Passwort fest, bestätigte dass Ganze und war nun mit 100 Magic Mushrooms für 10 Cent ausgestattet. Die komplette Transaktion bis zum weiterspielen hat mich alles in allem weniger als 20 Sekunden beansprucht.

Soweit so übersichtlich das bisherige Einsatzgebiet des neuen Micropayment Darlings. Einfach wird der Weg zum „iTunes“ für journalistische Inhalte sicher nicht. Flattr hadert seit nunmehr 4 Jahren mit der kritischen Masse an Nutzern, die 2010 ausgelobte Revolution des Internet blieb bisher aus. Revolution wollen die Macher von LATERPAY nicht machen. Schritt für Schritt soll die Operationsfläche wachsen. Nach einer erfolglos verlaufenen Testphase mit dem Verlagshaus Gruner+Jahr zwischen 2012 und 2013 und der anschließenden Rekonzeptionierung, aus der die aktuell gestartete Version hervorging, bleibt nur eins zu wünschen: Good Luck!

Journalistischer Lesegenuss statt Paywallfrust

Digitalität

Lesegenuss journalistischer Inhalte ohne frustrierende Registrierung, unabhängig vom klassischen Abonnement oder Paywallgängelung?

Ähnlich dem Wandel, den die Musikbranche vom Konzept „Album“ als Gesamtpaket, hin zur Möglichkeit einzelne Songs zur individuellen Playlist zu kompilieren vollzogen hat, versuchen Verlage und  Redaktionen den veränderten Lese- und Aufmerksamkeitsgewohnheiten des Internetzeitalters Rechnung zu tragen. Konzepte für die Vergütung journalistischer Inhalte im Netz gibt es etliche, warum also braucht es eine weitere Anlaufstelle um Paid Content im Pressebereich salonfähig zu machen?

Auf der einen Seite halten das Registrierungsprozedere der „harten Bezahlschranken“ – Paywalls genannt –  und der Metered Models bei der eine festgelegte Anzahl von Beiträgen pro Monat frei zur Verfügung stehen potentielle LeserInnen davon ab für journalistische Inhalte zu zahlen, zum anderen sind die Transaktionskosten bei den etablierten Online Bezahlsystemen für den Micropaymentbereich unökonomisch, da zwischen 60 und 70% der beauftragten Summe als Gebühr an den jeweiligen Dienstleister entfallen. Von einer 50 Cent Bezahlung via Paypal bleiben 36 Cent beim Dienstleister und lediglich 14 Cent gehen an den Empfänger der Zahlung bzw. Spende.

Der Dienst Flattr hat bereits seine Version zur Vergütung von Inhalten im Web etabliert, um die immer wieder angeprangerte „Umsonstmentalität“ der Internetgemeinde und den darüber herrschenden Unmut der Urheber zu harmonisieren. Bei Flattr laden registrierte Nutzer Ihre virtuelle Geldbörse mit einem frei wählbaren Betrag auf und können über den auf teilnehmenden Webseiten eingebetteten flattr-Button spendenbasiert Beiträge wie etwa Texte, Fotos, Podcasts und Filme nach eigenem Ermessen honorieren.

Brick in the paywall

Statt flattrn lieber später mit LATERPAY zahlen

Einen anderen Pfad schlägt der Dienst LATERPAY ein.  „Kaufen Sie ein Glas Milch, nicht eine ganze Kuh“ und das mit nur zwei Klicks, so das Credo des Mitte März an den Start gegangenen Dienstes. Die Vorstellung: Inhalte egal welcher Art werden vom Anbieter mit einem festen Preis versehen – 20 Cent für einen Artikel, 50Cent für eine Fotostrecke, 80 Cent für einen Podcast etc. – Nutzer können die Inhalte sofort abrufen, Registrierung und Bezahlung werden erstmalig nach erreichen von 5€ notwendig. Für die Registrierung sind eine gültige Emailadresse und ein selbst festzulegendes Passwort notwendig, zur Bezahlung wählen die Nutzer das Verfahren Ihres Vertrauens aus (Bankeinzug, Kreditkarte, Paypal usw.), auch hierbei ist man mit kaum mehr als zwei Klicks fertig. Eine detaillierte, websiteübergreifende Rechnung liefert ähnlich wie der Einzelverbindungsnachweis im Mobilfunkbereich eine Übersicht der getätigten Einkäufe. Händler und Urheber von Beiträgen profitieren von niedrigen Transaktionskosten. Durch variable Gebühren die immer nur auf die Gesamtrechnung erhoben werden sollen bis zu 90% der umgesetzten Summe beim Händler bzw. Urheber landen. Win-Win für alle Beteiligten. Neben journalistischen Inhalten sollen auch In-App-Käufe, etwa für Zusätze in Spielen, von diesem Modell profitieren.

Zur Demonstration wurde das Browserspiel „Browserquest“ mit dem LATERPAY Button versehen und im Blog des Journalisten Richard Gutjahr G! blog kann der Dienst in seiner ganzen Einfachheit getestet werden. In meinem Test verlief die Nutzung so einfach wie von den Machern versprochen. Nach betätigen des LATERPAY Buttons in Browserquest gab ich meine Emailadresse ein und legte mein Passwort fest, bestätigte dass Ganze und war nun mit 100 Magic Mushrooms für 10 Cent ausgestattet. Die komplette Transaktion bis zum weiterspielen hat mich alles in allem weniger als 20 Sekunden beansprucht.

Soweit so übersichtlich das bisherige Einsatzgebiet des neuen Micropayment Darlings. Einfach wird der Weg zum „iTunes“ für journalistische Inhalte sicher nicht. Flattr hadert seit nunmehr 4 Jahren mit der kritischen Masse an Nutzern, die 2010 ausgelobte Revolution des Internet blieb bisher aus. Revolution wollen die Macher von LATERPAY nicht machen. Schritt für Schritt soll die Operationsfläche wachsen. Nach einer erfolglos verlaufenen Testphase mit dem Verlagshaus Gruner+Jahr zwischen 2012 und 2013 und der anschließenden Rekonzeptionierung, aus der die aktuell gestartete Version hervorging, bleibt nur eins zu wünschen: Good Luck!

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